HANGENDGLETSCHERHORN 2006

Gletscher und mehr .....Gaulihütte mit Hangendgletscherhorn im Hintergrund

Hoch-Touren mit der Ski + Wanderabteilung des Turnvereins Neuenburg am Rhein

Meiringen – Innertkirchen – Gaulihütte, Schweiz, Zeit: Sept. / Okt. 2006

Anfahrt über Luzern - Brünigpass - Meiringen - Innertkirchen - Urbachtal

Nachdem in den ziemlich verregneten klassischen Wandermonaten August und September alle Bergtouren ausfallen mussten, konnte die Hochgebirgsgruppe der Abteilung S & W am Wochenende des 3. Oktober eine große 3-tägige Hochtour bei zwar durchwachsenem, aber doch überwiegend trockenem und sonnigen Wetter unternehmen. An diesem verlängerten Wochenende waren wir sechs Personen. Von Innertkirchen bei Meiringen ging es durch das Urbachtal (880 m) auf die „Gaulihütte“ (2.205 m). GaulihütteDer Hüttenweg war bereits eine kleine Bergtour, die knapp 5 Stunden dauerte.

Der Gipfel, der anderntags in Angriff genommen wurde, heißt „Hangendgletscherhorn“ und ist 3.292 m hoch. Der Name „Hangendgletscher“ kommt von hängend und bedeutet, dass der Gletscher schlicht und einfach an der Wand hängt, wie ein Bettlaken beim lüften auf dem Fensterbrett, d.h. er ist dementsprechend steil. Der zweistündige Weg zum Gletscher war weglos ohne Markierung und ohne Steigspuren und forderte schon „hellseherische“ Fähigkeiten. Am Gletscher angekommen wurden die üblichen Ausrüstungsteile angelegt und montiert wie Steigeisen, Gamaschen, Klettergurt und –helm, Sicherungsseil und Eispickel. Das erste Drittel des Gletschers war aper und gut begehbar, der Rest jedoch frisch verschneit und nur sehr mühsam zu begehen. Es ging im Slalom um einige Spalten und das obere 40° steile Stück des Gletschers endete im Blankeis, welches sich als unbegehbar erwies. Schnell in den Felsbereich ausgewichen, stellte sich heraus, dass dieser Teil, der früher noch vergletschert war, vollkommen mit losem Geröll bedeckt war, es löste sich nach geringster Berührung sofort und pfiff den darunter kletternden Kameraden um die Ohren. Nach kurzer Zeit, bei der entsprechende, hier nicht wiederholbare, Kraftausdrücke im Gebrauch waren, konnte der Gipfelgrat erklommen werden und nun begann eine amüsante Kletterei im 2. Grad. Nach dem Text im Führerbüchlein "plaisir ALPIN" von Jürg v. Känel sollte nun bald eine Stelle im 3. Grad folgen, welche als „Hosenschisser“ bezeichnet war. Dort in der Realität angekommen, war es zwar kniffelig, aber der Geruch in der Hosengegend änderte sich bei den Kameraden nicht wesentlich .... Man musste sich halt auf dem Bauch legen und die Füße ertasteten sich 1,5 m tiefer einen unsichtbaren Tritt. Alle Teilnehmer waren die gesamte Zeit am (kurzen) Kletterseil angeseilt und der jeweilige Vorder- und Hintermann sicherte den Kletternden an den fraglichen Stellen. Der Gipfelgrat war ziemlich ausgesetzt und überaus „gezahnt“, so konnte das Sicherungsseil immer im „Zick-Zack“ und die Felszacken gelegt werden. Dadurch war die Seilschaft an mindestens einer Stelle mit dem Berg verbunden und ein Ausrutscher eines Kollegen hätte gut abgefangen werden können.

auf dem Gipfelgrat zum Horn (rechts oben)

Dies war jedoch zum Glück nicht nötig. Manchesmal jedoch sah der Gipfel­grat so furcht­erregend aus, dass ein Weitersteigen unmöglich schien. Bei Nähe be­trachtet, war es jedoch nur halb so schlimm. Nach fünfeinhalb Stunden stand die Gruppe auf dem Gipfel und hatte bisher vom Wetter alles mitgekriegt, was man sich denken kann. Vom Nebel, Nieselregen, Sonne, Schneegraupel und Sturm war alles vorgekommen. Auf dem Gipfel nun blies ein eiskalter Wind und deshalb dauerte der Gipfelaufenthalt nur ein Gemeinschaftsfoto und einen Müssliriegel lang. Die Gruppe war glücklich und mit Freude erfüllt, hatte es doch nicht immer so ausgesehen, als ob der Gipfel (heute) zu schaffen sei. Man staunte über den aus dieser Perspektive riesigen Gauligletscher mit seinen Millionen Spalten, den großen Höhenunterschied zum PKW-Parkplatz direkt unten im Tal und den großen zeitlichen Abstand seit der letzten Eintragung im Gipfelbuch. Dies war wohl nicht gerade eine touristisch vielbesuchte Ecke in den schweizer Alpen. Der Rückweg zum Gletscher konnte nun mit ruhigem Gewissen in Angriff genommen werden, man wusste ja jetzt, was kommen wird. Der Abstieg auf dem Gletscher war frei von Überraschungen und man genoss die vorbeiziehenden Riesenspalten. Auf dem Fels wieder angekommen, nahm die Wegsuche doch einige Zeit in Anspruch, so dauerte der Abstieg incl. Pausen und Materialmontagen / - demontagen viereinhalb Stunden. Die Gruppe kam aber gerade rechtzeitig zum Abendessen in der Hütte an.

Am anderen Tag konnte der 1.500 m hohe Abstieg zum Parkplatz unter die Füße genommen werden. Ein vom Hüttenwirt empfohlener Abstecher zu den Wasserfällen hatte sich gelohnt. Drei wunderschöne Tage in der Bergeinsamkeit der Gaulihütte mit ihrer freundlichen Hüttenwirtsfamilie und deren tollen Bewirtung gingen zu Ende. Man war in einer anderen Welt in der Hektik, Stress und Streit keinen Platz haben.


 

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